Reflexionsphilosophie.




Bloße Reflexionsphilosophie sei die Wissenschaftslehre, mäkelte Hegel. Ein Makel ist es aber nicht. Zur Reflexion gehört ja nicht nur das Reflektieren - die ideale Tätigkeit -, sondern auch das, worauf reflektiert wird: die reale Tätigkeit. Und gibt es mehr? Nicht für Fichte, da hat Hegel Recht: Für Fichte ist nur Tätigkeit wirklich. 

Denn von nichts anderm kann man wissen. Und vom Wissen handelt die Wissenschaftslehre, daher ihr Name. Von Anderem als wovon sie weiß kann eine Wissenschaft nicht handeln; daher ihr Name.



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Die Reflexion ist frei, und ohne sie ist nichts.



Ich bin beschränkt, zuvörderst praktisch. Diese Beschränkung ist wieder beschränkte durch die im Zustand des Gefühls vorgegangene Veränderung. Auf diese kann ich reflektieren oder nicht. Diese Reflexion ist die bisher genannte Anschauung Y. Reflektiere ich aber einmal, so kann ich mich nicht allein [als] beschränkt setzen, sondern ich muss auch noch ein Beschränkendes hinzusetzen, dies ist die Anschauung Y.

Reflektiere ich nicht, so bin ich für mich nicht da, und somit ist auch außer mir nichts da. Indem ich nun den geschilderten freien Akt vollziehe, werde ich mir meiner unmittelbar bewusst. Mit jener Reflexion auf meinen Zustand und dem darauf folgenden Schlusse auf etwas außer mir ist eine Reflexion auf mich unmittelbar verknüpft, nicht in zwei besonderen Akten.

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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 98




In der Reflexion vereinigen sich das Sinnliche und das Übersinnliche, weil sie frei ist.

Die Reflexion ist schlechthin frei in der Wahl des Mannigfaltigen, auf welches sie geht, es ist kein absoluter Grund da, weshalb sie dies oder jenes wähle. ... /

Das Reflektierende ist Ich, und zwar ideales Vermögen, welches durch die oben aufgezeigte Bestimmung desrealen Ich nicht bestimmt ist. Aber es ist Charakter der Ichheit, sich schlechterdings selbst zu bestimmen, absolut erstes, nie zweites zu sein; die Reflexion ist also absolut frei. Diese absolute Freiheit der Reflexion ist selbst etwas Übersinnliches. In der Gebundenheit, nur auf Teile und nur auf solche Teile reflektieren zu können, tritt erst das Sinnliche ein. Hier ist der Vereinigungspunkt der sinnlichen und der übersinnlichen Welt angegeben.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 156f.


Nota. - Die reale Tätigkeit, das wirkliche, lebendige Vorstellen, ist nur 'an sich' frei, nämlich insofern es vonnichts Fremdem bestimmt ist; aber nicht 'für sich' frei, insofern es noch gar nicht bestimmt ist. Indem es sich reflektierend selbst-bestimmt, wird es ideale Tätigkeit, denn erst hierin wird es für sich frei. Erst hier wird es ein Ich.

Merke: Die Wissenschaftslehre schafft kein neues Wissen, sondern macht lediglich das Mysterium unserer Freiheit verständlich.
JE






Das Fühlen ist selber Realität.



Wie kann nun das Gefühl Gegenstand eines Begriffs werden? Bei der Anschauung wird eine Realität voraus-gesetzt, aber beim Fühlen nicht, das Fühlen ist selber Realität, die vorkommt. Ich fühle nicht etwas, sondern ich fühle mich. – Welches ist nun der Übergang aus dem Gefühl zur Anschauung? Ich kann kein Gefühl an-schauen, außer in mir; soll ich ein Gefühl anschauen, so muss ich doch fühlend sein. Es wird schlechthin re-flektiert. Das Ich erhebt durch eine neue Reflexion, die mit absoluter Freiheit geschieht, sich über sich selbst, sich das Anschauende über sich, inwiefern es fühlend wird, es wird dadurch selbstständig.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982,  S. 71





Wille, Beschränkung, Reflexion.


Der reine Wille ist unmittelbares Objekt alles Bewusstseins und aller Reflexion. Aber die Reflexion ist diskursiv: Er, der reine Wille, müsste sonach etwas Mannigfaltiges sein. Dies ist er ursprünglich nicht, sondern wird es erst durch Beziehung auf seine Beschränktheit, wodurch er Wille wird, in der Reflexion selbst, die absolut frei ist, und deren Freiheit und ganzes Wesen eben in dieser Beziehung besteht - teils, dass sie überhaupt geschehe, teils, dass sie so oder anders geschehe. Diese Reflexion erscheint als ein Wollen, sofern sie selbst bloß gedacht, und als ein Tun, inwiefern sie angeschaut wird. Und sie ist der Grund alles empirischen Bewusstseins.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 166







Aus der Reflexion entsteht mir ein Bewusstsein.


Ich bin beschränkt, zuförderst praktisch. Diese Beschränktheit ist wieder beschränkt durch die im Zustande des Gefühls vorgegangene Veränderung; auf diese kann ich reflektieren oder nicht. Diese Reflexion ist die bisher [so] genannte Anschauung X; reflektiere ich aber einmal, so kann ich mich nicht allein beschränkt setzen, sondern ich muss auch noch ein / Beschränkendes hinzusetzen, dies ist die Anschauung Y. Reflektiere ich nicht, so bin ich für mich nicht da, und sonach ist auch außer mir für mich nichts da. 

Indem ich nun den geschilderten freien Akt vollziehe, werde ich mir meiner unmittelbar bewusst. Mit jeder Reflexion auf meinen Zustand und dem daraus folgenden Schlusse auf etwas außer mir ist eine Reflexion auf mich unmittelbar verknüpft, nicht in zwei besonderen Akten.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 98f. 


Nota.  Die erste Realität ist das Gefühl. Es ist in jedem Falle ein Gefühl des Beschränktseins. Daraus schließt die Wissenschaftslehre auf das Vorhandensein von etwas Beschränkendem - einem Objekt außer mir - und auf das Vorhandensein von etwas, das sich nicht beschränken lassen will: Trieb, Streben, Wollen. Nur so kann Bewusstsein zustande gekommen sein; Selbstbewusstsein und Gegenstandsbewusstsein mit einem Mal.
JE







Fühlen, anschauen, reflektieren.

Lo Spinario

Wie kann nun das Gefühl Gegenstand eines Begriffs werden? Bei der Anschauung wird eine Realität vorausgesetzt, aber beim Fühlen nicht, das Fühlen ist selbst die Realität, die vorkommt. Ich fühle nicht etwas, sondern ich fühle mich. 

Welches ist nun der Übergang aus dem Gefühle zur Anschauung? Ich kann kein Gefühl anschauen, außer in mir; soll ich ein Gefühl anschauen, so muss ich doch fühlend sein. Es wird schlechthin reflektiert. Das Ich erhebt durch eine neue Reflexion, die mit absoluter Freiheit geschieht, sich über sich selbst, [es erhebt] sich das Anschauende über sich, in wiefern es fühlend ist; es wird dadurch selbständig.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 71






Die Reflexion reflektieren

Toulouse-Lautrec

Das Vernunftwesen ist so eingerichtet, dass, indem es denkt, es in der Regel sein Denken nicht betrachtet, sondern nur das Gedachte, [und] sich selbst, als das Subjekt, im Objekte verliert. Doch liegt der Philosophie alles daran, das Subjekt als solches zu kennen, um seine Einflüsse auf die Bestimmungen des Objekts zu beurteilen. Dies kann nur dadurch geschehen, dass die bloße Reflexion zum Objekte einer neuen Reflexion genommen wird.
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System der Sittenlehre..., SW Bd. IV, S. 31






Unendliche Reflexion.

Der Gang der Wissenschaftslehre ist: Das Ich setzt A, aber wenn A gesetzt sein soll, so muss es darauf reflektieren, darauf wieder reflektieren, und so fort.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 96








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